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Digitale Transformation: Warum sie auch KMU betrifft

28.12.2018 von Stephan Isenschmid

Vom Taxifahrer zum Weltkonzern sind alle betroffen: Ein Unternehmen zu führen ist heute eine grössere Herausforderung als je zuvor. Längst geht es nicht mehr alleine darum, Unternehmen zu verwalten und Aktionäre zufriedenzustellen. 

Die Zahl der Stakeholder ist gewachsen: Mitarbeiter haben heute hohe Anforderungen an ein Unternehmen, Kunden sind kritisch und besser informiert, Märkte ändern sich rasant und dramatisch und schliesslich ist heute jedes Produkt und Unternehmen auch im Scheinwerferlicht einer kritischen Öffentlichkeit.

Unternehmer, kleine wie grosse, spüren diese Veränderungen. Ein Handwerker muss sich heute gegen Anbieter auf Online-Plattformen durchsetzen, ein Maschinenbauer gegen die Konkurrenz aus Asien. Mitarbeiter sind oft so gut qualifiziert, dass sie den Verlauf eines Bewerbungsgesprächs bestimmen und nicht der Personalleiter.

Digital-Leader

Die digitale Transformation betrifft heute alle Unternehmensgrössen, ob Weltkonzern oder Kleinunternehmer. Dabei geht es nicht um die Einführung von Computern oder eines CRM-Systems. Die grosse Frage bei der digitalen Transformation ist: Wie kann ein Unternehmen alle Daten, die es generiert, am besten verwenden?

Früher war Wachstum recht linear vorgegeben. Wer expandieren wollte, baute eine neue Maschinen- oder Lagerhalle und kaufte ein- oder zwei neue LKW, um die Güter abzutransportieren und zu verteilen. Heute wird zunehmend in Asien produziert, und die Verteilung machen längst Logistikunternehmen. Diese aber müssen nicht nur koordiniert werden, sondern sind ein integraler Bestandteil des kompletten Produktionsprozesses.

Eine Studie der Universität St. Gallen definiert digitale Transformation wie folgt: «Unter Digital Transformation verstehen wir die Kombination von Veränderungen in Strategie, Geschäftsmodell, Prozessen und Kultur in Unternehmen durch Einsatz von digitalen Technologien mit dem Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten oder zu steigern».

Die Transformation geschieht nicht von heute auf morgen, sondern sie ist ein Prozess. Die Unternehmensberatung Heads/Deloitte Digital spricht von vier Phasen, durch die ein Unternehmen in der Regel geht: 

  • Phase 1: Wo stehen meine Branche und mein Unternehmen aktuell?
  • Phase 2: Vor welche Herausforderungen wird die Digitalisierung mein Unternehmen stellen?
  • Phase 3: Ist meine Organisation in der Lage, die digitale Transformation erfolgreich umzusetzen?
  • Phase 4: Wie können wir konstanten Wandel und Innovation im Unternehmen aufrecht erhalten?

 Nun ist aber die Frage berechtigt, woher der ungeheure Druck kommt, den Unternehmer heute verspüren? Ist es denn wirklich nur eine Frage der Skalierbarkeit der IT und der Wachstumsstrategie? Nein. Denn nicht nur Prozesse sind Teil der Transformation, sondern die Märkte an sich. Heute sind 88 Prozent der Fortune 500 Firmen von 1955 verschwunden. Es gibt sie schlicht nicht mehr, weil im Verlaufe der Zeit Märkte sich immer wieder verändert haben, und die Firmen eben nicht.

Eine der Hauptrollen in der digitalen Transformation spielen heute die Kunden, und zwar sowohl im B2B- als auch im B2C-Bereich. Früher kontrollierten Marktführer vor allem den Zugang zu Produkten und Märkten, aber auch zu Zulieferern. Heute herrscht eine fast grenzenlose Transparenz. Der Konsument kann heute per Internet in Sekundenschnelle den billigsten Anbieter finden und online ordern. Ein Zulieferer ist heute in der Lage, sich nicht nur an einen Abnehmer binden zu müssen, sondern selbst als kleine Firma weltweit viele Kunden beliefern zu können. Und Unternehmen können in diesem globalen Kontext eben selbstbewusster auftreten, weil sie wesentlich mehr Auswahl an Ressourcen und Herstellern haben.

Letztlich geht es auf beiden Seiten um die Einstellung der Menschen und wie und ob sich diese Einstellung verändern kann. Konsumenten haben das schon bewiesen.Sie adaptieren Technologie unglaublich schnell und auch die damit verbundenen neuen Wege, zu konsumieren. Vor dieser Herausforderung stehen auch Unternehmen: “Wir tendieren dazu, Veränderungen oft zu begegnen indem wir einfach etwas mehr Technologie dagegensetzen. Während Technologie durchaus hilfreich sein kann, braucht es doch einen mehr persönlichen Weg, vor allem des Managements, einen Weg, der gemeinsam mit denen gegangen wird, die diese Änderungen auch machen müssen” schreibt Ron Miller in einem Artikel über digitale Transformation und wie Organisationen sich dazu bekennen müssen.

Digitale-Transformation

Digitale Transformation ist heute keine Frage des Ob, sondern nur noch des Wie. Kein Geschäftsbereich ist mehr ausgeschlossen und keine Branche. Die lokale Taxizentrale sieht sich plötzlich einem Uber-Fahrer gegenüber, der Zeitungskiosk verliert immer mehr Kunden weil diese die NZZ als ePaper auf dem iPad lesen und der Buchhändler weiss nicht, wie er gegen Amazon angehen soll. Aber es gibt eben auch Gewinner: Die kleine Pension mit Frühstück bekommt jetzt Gäste aus China, weil sie bei Agoda gelistet ist. Der Lebensmittelladen liefert frisches Obst und Gemüse als Wellness-Box, die auf seiner neuen Webseite bestellt werden kann. Und der Installateur fürchtet keine Konkurrenz auf der Handwerker-Platfform, weil er seine Kunden aktiv auffordert, ihn zu bewerten.

Wer bereit ist, sich die digitale Transformation zu akzeptieren, muss auch bereit sein, sich und sein Unternehmen zu transformieren. Nicht zum Selbstzweck, nicht weil die anderen es auch tun. Sondern weil es eine notwendige strategische Entscheidung ist. Die obigen Beispiele haben gezeigt, dass es eigentlich keine Branche mehr gibt, die nicht in irgendeiner Form von der digitalen Transformation betroffen ist. Die gute Nachricht ist, dass es nicht zu spät ist, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Themen: Digitalisierung, Leadership, Führungskraft, Disruption, Business Transformation, Unternehmenskultur

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